Banksy Vandalised Phone Box MUCA Jubiläumsausstellung

Banksy in der MUCA Ausstellung

Wer verbirgt sich hinter Banksy?

Banksy ist ein Graffiti-Künstler, politischer Aktivist, Regisseur und Maler. Trotz der internationalen Bekanntheit seiner Werke bleibt seine Identität anonym. Banksy ist ein Pseudonym. Es wird vermutet, dass der Künstler 1974 in Bristol, England, geboren wurde. Zuerst wurde er in der Underground-Szene in Bristol aktiv. Mit der Zeit weitete er seine Einsatzorte aus und hat angefangen auch international zu arbeiten.

Wie arbeitet Banksy?

Bekannt ist Banksy vor allem für seine Schablonenkunst. Die subversiven, politischen und oft auch humorvollen Kunstwerke haben meist einen Bezug zu aktuellen Ereignissen. Seine Stencils sind markante Bilder, welche häufig mit Sprüchen und Parolen kombiniert werden. Die Botschaft ist in der Regel eine antikapitalistische, ist gegen Krieg und gegen das Establishment gerichtet. 

Seine Werke politischer und gesellschaftlicher Kritik kennzeichnen Straßen, Mauern und Brücken in Städten auf der ganzen Welt.  Die heimlich bemalten Häuserfassaden oder sein New Yorker Aktion im Oktober 2013 erregen internationale Aufmerksamkeit. Die Arbeiten erscheinen regelmäßig in Kunstaktionen und gehören zu den Bestsellern. 

Banksy in der Ausstellung „25“

Die aktuelle MUCA Ausstellung 25 umfasst zahlreiche Original-Werke, welche von den Gründern des MUCA in über 25 Jahren zusammengetragen wurden.

Neben vielen Stencil-Bildern werden auch die Objekte „Vandalised Phone Box“ sowie  „Met Ball“ gezeigt. Der 2019 als Teil von Banksys Reihe Gross Domestic Product veröffentlichte Met Ball ist eine spielerische Überarbeitung eines Polizeihelms: Er wurde von Banksy zu einer Discokugel umfunktioniert.

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WrongWar_Banksy 25 MUCA-Ausstellung München

"Vandalised Phone Box" von Banksy: Intervention am Soho Square

Banksy hat einen Großteil seiner Werke nach nur kürzester Zeit wieder verloren. Ein typisches Beispiel für Banksys temporäre öffentliche Interventionen ist die derzeit im MUCA ausgestellte „Vandalised Phone Box“: sie wurde kurz nach ihrem Auftauchen am Soho Square in London im Jahr 2005 von der Stadtverwaltung entfernt. Dank des Siegeszuges der Digitalfotografie und des Internets waren jedoch innerhalb weniger Stunden Fotos des Werks im Umlauf, und so blieben digitale Spuren des Werks erhalten.

Die Bedeutung von „Vandalised Phone Box“ kann auf mehreren Ebenen gelesen werden. Die einst legendäre rote Telefonzelle, die nun zerlegt wurde, könnte als Metapher für die schwindende Bedeutung des modernen Großbritanniens oder für den Tod der alten Kommunikationsformen im neuen digitalen Zeitalter gesehen werden. Am relevantesten scheint jedoch die Tatsache zu sein, dass Banksy mit einer einzigen Aktion bewiesen hat, dass ein Künstler eine eigene öffentliche Skulptur schaffen, sie in einer bekannten städtischen Umgebung aufstellen und Aufmerksamkeit für sein Werk erregen kann – und das alles ohne die Zustimmung des Establishments. Das Werk fand nicht deshalb Beachtung, weil den Leuten gesagt wurde, es sei Konzeptkunst, sondern einfach, weil es den Zeitgeist des Augenblicks traf.

"Are you using that Chair?" - zweitgrößtes Ölgemälde von Banksy

Are you using that Chair von Banksy Ikonnen of Urban Art MUCA München

Das Werk “Are You Using That Chair?” , das in der MUCA-Ausstellung „Icons of Urban Art“ bis Herbst 2022 zu sehen war, gilt mit seinen 213 x 426 cm als das größte Werk Banksys nach dem 2019 für eine Rekordsumme von zehn Millionen Euro versteigerten „Monkey Parliament“ von 2009.

Das Gemälde basiert auf dem berühmten Gemälde Edward Hoppers, „Nighthawks“, dem bekanntesten Werk des Amerikaners. Banksys „In your face“-Version ist mehr als doppelt so groß und beschneidet die Hopper-Vorlage am oberen Rand, so dass die Variation noch panorama-artiger wurde. Hoppers Gemälde entstand in den Wochen nach dem Pearl Harbour Angriff Ende 1941 zwischen trostloser Gegenwart, unerwartetem Kriegseintritt und unsicherer Zukunft. Seine Figuren stehen für Einsamkeit, innere wie äußere, weshalb er gerade in Zeiten von Corona besonders in dieser Hinsicht rezipiert wird.

Hintergründe zu Banksy's "Are you Using that Chair?"

“Are You Using That Chair?” wurde in Öl auf Leinwand gemalt und ist signiert mit einem grauen schablonierten Banksy-tag. Der Autodidakt Banksy „versetzt“ das Sujet in seine Jetztzeit 2005. Er fügt einen übergewichtigen, aggressiven bleichen Engländer in Union Jacks Bade- oder Unterhose hinzu, wobei zwei Plastikstühle um ihn herum auf dem Boden liegen, während er wütend auf das zerbrochene Fenster des Hauses zeigt, dass er vermutlich mit einem der Stühle einzuschlagen versuchte. In der Hand hält er eine Bierdose, das Label der australischen Fosters-Brauerei ist verdeckt. Der Bierfachmann und Autor Michael Jackson erwähnt bereits 1999, dass Fosters besonders bei englischen Hooligans beliebt sei.

Wohl spielt Banksy auf die negative Rolle seiner Landsleute beim Urlaub oder während Fußballspielen im Ausland an. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 kam es etwa im Touristenort Albufeira am 24. Juni 2004 nach Englands Niederlage gegen Gastgeber Portugal zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Englischen und den lokalen portugiesischen Fans. Bereits bei der EM 2000 warfen britische Fußball-Fans ohne T-Shirts, wie in Banksys Gemälde, weiße Plastikstühle auf Deutsche Fans. Nun hat der englische Hooligan/Tourist die ungeteilte Aufmerksamkeit von Hoppers Bildpersonal, das im Original einsam-düster vor sich hinstarrt. Die leise-höflich-britische Standard-Frage im Lokal, “Are You Using That Chair?” steht im humorvollen Kontrast zum Eindringling.

„Speak softly but carry a big can of paint“, sagt Banksy 2000. Der Graffiti-Outsider von der Straße, der britische Street Artist und Fußballfan Banksy fragt hier zwar höflich mit Worten, in Taten ist er jedoch ebenso Hooligan und Vandale, wenn er einen Platz drinnen, in der Kunstgeschichte, neben Hopper, Warhol, Van Gogh oder Monet (alle in der Crude-Oils-Ausstellung) verlangt, kurz: neben den wenigen Kunstwerken, die international wirklich jeder kennt, die wie Hoppers Original durch den vielfachen Kitsch-Gebrauch etwas abgenutzt sind. “Are You Using That Chair?” impliziert, dass der Stuhl noch oder nun wieder frei ist, nicht genutzt wird, und Banksy seinen Platz künstlerisch einnehmen möchte.

Weitere Banksy Projekte: „Exit Through the Gift Shop“ und „The Walled Off Hotel“

Banksy’s erster Film „Exit Through the Gift Shop“ aus dem Jahr 2010, den er mit Thierry Guetta drehte, gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag der Street Art-Künstler und war für den Oscar nominiert. Im Jahr 2014 erhielt Banksy den Webby Award als “Person des Jahres”. 

Große internationale Aufmerksamkeit erregte auch Banksy’s Hotelprojekt: „The Walled Off Hotel“, das sich unmittelbar an der Grenzmauer zwischen Israel und dem Westjordanland befindet, eröffnete im März 2017 in Bethlehem. Die Inneneinrichtung des Hotels wurde vom Künstler selbst mit zahlreichen Anspielungen auf den Nahostkonflikt gestaltet.  

 großen Aktionen von Banksy gehören Sein Werk Girl With Balloon, das “Schredder-Werk”, das nachträglich in Love is in the Bin umbenannt wurde und sich ab März 2019 als Dauerleihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart befindet, sowie das zur Weihnachtszeit 2018 entstandene Graffiti an einer Garage in Port Talbot, Wales. Darauf ist ein kleiner Junge mit ausgebreiteten Armen abgebildet, der fröhlich, mit herausgestreckter Zunge Schneeflocken auffängt. Was er jedoch nicht weiß und was der Betrachter*in erst beim zweiten Blick erkennt, ist, dass es sich beim Schnee in Wirklichkeit um ein Ascheregen handelt. 

Banksy's „Girl with Balloon“ – „Love is in the Bin“

Die medienwirksamste Aktion gelang Banksy im Oktober 2018: Nach einer Sotheby’s-Auktion in London zerschredderte sich ein verkauftes Bild aus seiner berühmten Serie „Girl with Balloon“ durch einen im Rahmen integrierten, versteckten Schredder teilweise. Laut Banksy sollte diese Aktion eine Kritik am Kunstmarkt verkörpern. Das Werk wurde nachträglich in „Love is in the Bin“ umbenannt und von März 2019 bis Februar 2020 als Leihgabe in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellt.

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