Shepard Fairey in der MUCA Ausstellung

Wer ist Shepard Fairey?

Frank Shepard Fairey (geboren 1970 in Charleston, South Carolina) ist ein zeitgenössischer Künstler, Grafiker und Illlustrator. Seinen Schulabschluss machte er an der Idyllwild Arts Academy in Palm Springs, Kalifornien. Neben Skateboarding und Punkmusik galt sein Interesse bereits sehr früh der Kunst.

Fairey gilt als einer der produktivsten Street Art-Künstler und Grafiker seiner Generation. Er erklärt dies durch seine bewusste Wahrnehmung der menschlichen Sterblichkeit. Mit 15 Jahren wurde bei ihm Diabetes diagnostiziert, was ihn stets antrieb, seine Vorstellungen schnell in die Tat umzusetzen.

Seine Arbeit zeichnet sich durch eine nachhaltige Prägung durch viele andere Künstlern*innen, wie Barbara Kruger, Keith Haring, Jean-Michel Basquiat oder Robbie Conal, aus.

Sticker-Kampagne „Obey Giant“

Bekannt wurde Shepard Fairey bereits 1989 mit seiner Aufkleber-Kampagne „Andre the Giant Has a Posse“. Zu dieser Zeit studierte er noch an der Rhode Island School of Design. Auf dem Sticker war ein aus der Zeitung ausgeschnittenes Portrait eines Wrestlers abgebildet, zusammen mit dem Schriftzug „OBEY“. Diese Strategie der Kombination eines Bildes und einer begleitenden Aufforderung erregte die Aufmerksamkeit der  Menschen. Die „Obey Giant“ genannte Aktion entwickelte sich durch die Reproduktion der Aufkleber zu einer weltweiten Kampagne. Zu seiner Giant-Serie erklärt der Künstler: Das Bild soll als offenes Symbol fungieren, ein Zeichen ohne Referenz, das den Leser dazu ermutigen soll, seine eigenen Interpretationen zu finden, um sich mit seinen bereits bestehenden Annahmen darüber auseinanderzusetzen, was als Propaganda gilt, wo er ihr vermutlich begegnet und wie sie ihn persönlich beeinflusst.    

In Anlehnung an den britischen Schriftsteller George Orwell, für dessen Bücher er Cover gestaltet hat, setzt sich Shepard Fairey in seinen Arbeiten mit der Entstehung von Klassen und kultureller Identität, mit der Macht politischer und religiöser Ideologie, mit staatlich sanktionierten Geheimhaltungs- und Überwachungssystemen, mit der realen Gefahr des Autoritarismus und mit der Möglichkeit des Widerstands auseinander.

Als Kunst-Aktivist gehört Shepard Fairey der Street-Art-Bewegung an und steht in der Tradition seines Vorbilds Keith Haring. Shepard Fairey bedient sich Stilmitteln der Werbung, die er als „verführerische Form der Propaganda“ versteht. Diese visuelle Sprache ist sehr bedeutend in seinen Arbeiten, mit denen er soziale und politische Kritik übt. Da für Shepard Fairey die Zugänglichkeit seiner gesellschaftskritischen Botschaften extrem wichtig ist, finden sich diese sowohl auf großen Murals (Wandgemälde) im öffentlichen Raum wie auf Posterdrucken.

SHEPARD FAIREYs „OBEY“ IN DER „25“- AUSSTELLUNG IN MÜNCHEN

Die aktuelle MUCA-Ausstellung „25“ zeigt eine Sammlung von Arbeiten unter dem Titel „OBEY: Three Decades of Dissent“.

Fairey macht sich hier denselben visuell manipulativen Stil der ideologischen Plakate des kommunistischen Russlands der 1960er bis 1980er Jahre zu eigen. Allerdings unterläuft Fairey den Stil, um fortschrittliche und positive Ideen zu verbreiten. Er will ein Bewusstsein für den immer noch vorhandenen Einfluss und die Omnipräsenz ideologischer Bilder schaffen.

Erleben Sie im Untergeschoss der MUCA-Ausstellung „25“ die OBEY-Wand mit zahlreichen Bildern aus den letzten dreißig Jahren von Faireys Karriere. 

 

Schauen Sie sich Faireys Werke, darunter „Big Brother is watching you“ in Anlehnung an Orwells weltberühmtes Literaturwerk „1984“, live bei uns an – hier können Sie direkt Tickets buchen.

Bild Lenin von Shepard Fairey in MUCA Ausstellung 25 in München

Druck, Design und Cover

1992 schloss Fairey sein Studium mit einem Bachelor of Arts in Illustration ab. Danach gründete er eine kleine Druckerei mit dem Namen Alternate Graphics, die sich auf den Siebdruck von T-Shirts und Aufklebern spezialisierte. Daraufhin folgte die Gründung der Designagentur BLK/MRKT mit Dave Kinsey und Phillip DeWolff, die den Fokus auf Guerilla-Marketing und die Entwicklung von high-impact Marketingkampagnen setzte.

Fairey verlässt diese 2003 und ruft seine eigene Agentur ins Leben, Studio Number One. Zu seinen bekanntesten Kunden gehören Virgin, Adidas und Nike. Seine Kreativität kennt aber keine Grenzen: 2001 gründet er das Modelabel „OBEY clothing“. Seine Liebe zur Musik war auch stets Teil seines Schaffensprozesses. Er gestaltete Cover für Alben unterschiedlichster Musiker, darunter Neil Young und die Indie-Rock-Band Interpol.

Das Barack Obama Portrait „Hope“ von Shepard Fairey

Faireys medial erfolgreichste Arbeiten sind das Cover des Time Magazine zu Ehren der Person Of The Year 2011, mit seinem abgebildeten Repräsentanten für den Arabischen Frühling, sowie das „Hope“ Portrait Barack Obamas. Mit der ikonischen Darstellung des US-Präsidenten gelang ihm 2008 der endgültige Durchbruch.

Für seine Werke verwendet er neben Bildern, Stencils und Postern, auch Stärkekleister, Siebdruck und viele weitere Medien. Durch die Verwendung von Schrift und Bild verwischt Fairey die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz. Dabei ist Fairey kein Gegner des Kommerziellen. Seiner Ansicht nach brauchen Kunst und Kommerz einander viel mehr, als sie sich eingestehen möchten.

Das Institute of Contemporary Art in Boston richtete 2009 Faireys erste Einzelausstellung „Supply and Demand“ mit rund 200 seiner Arbeiten aus, und bezeichnete ihn als einen der bekanntesten und einflussreichsten Street Artists unserer Zeit. Dennoch sieht er seine Werke bevorzugt im öffentlichen Raum, wo sie ihre soziale und politische Kritik öffentlich und ortsspezifisch entfalten. 

Shepard Faireys Protest gegen Fracking an Münchens Wänden

Wie wichtig es Shepard Fairey ist, Kunst fernab von Kommerz zu realisieren und mit ihr in erster Linie auf aktuelle gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen, spiegelt sich auch in seinem Mural „Paint it black“ in München wider. 2015 verwirklichte Fairey ein Wandbild in der Landshuter Allee. Auf einer Fläche von 15×13 Meter drückt er seinen Protest gegen die Macht und Beeinflussung von international agierenden Ölkonzernen auf die Weltpolitik und die damit einhergehende Umweltzerstörung aus. Das Wandbild entstand unter den Eindrücken der zu dieser Zeit entflammten Diskussion um Fracking und den Abschluss des TTIP-Freihandelsabkommens zwischen den USA und Europa.

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