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Os Gêmeos in der MUCA Ausstellung

Wer steckt hinter Os Gêmeos?

Os Gêmeos, portugiesisch für „die Zwillinge”, gehören zu den bekanntesten brasilianischen Street Art-Künstlern. Die eineiigen Zwillingsbrüder Gustavo und Otávio Pandolfo wurden 1974 in São Paulo geboren. Sie wuchsen in Cambuci, einem der ältesten Bezirke der Stadt auf. Spielerisch lernten sie, durch ihre Zeichnungen miteinander und mit ihrem Umfeld zu kommunizieren und entschieden sich, als Künstlerduo zusammen zu arbeiten.

Als in den 1980er-Jahren die Hip-Hop Kultur aus den USA Brasilien eroberte, übten sich die Pandolfo Brüder unter diesem Einfluss zunächst als Breakdancer, bevor ihr erstes Graffiti folgte. Da sie sich keine Spraydosen leisten konnten, arbeiteten die Zwillinge anders als amerikanische Street Artists mit Pinseln, Tapetenrollern und Fassadenfarben. Die Hip-Hop Bewegung diente ihnen als Inspirationsquelle für eine eigene künstlerische Ausdrucksweise im öffentlichen Raum. Dabei wurde die Stadt zu ihrem Atelier und Straßenwände zu Leinwänden.

Os Gêmeos sind stark durch eine Begegnung mit Barry McGee beeinflusst, der mit ihnen seine Techniken und Erfahrungen teilte.

Was ist die Traumthematik bei Os Gêmeos?

Die Pandolfo Brüder arbeiten am liebsten experimentell. Dabei bedienen sie sich der unterschiedlichsten Farben, Formen, Materialien und Medien. In ihrem Portfolio findet man neben Gemälden auch Skulpturen und Musikstücke. Sie haben bereits in den frühen Stadien ihrer Karriere angefangen sich mit verschiedenen Techniken des Malens, Zeichnens und Bildhauens auseinander zu setzen.  

Dabei kreieren sie eine eigene, einzigartige Welt, die Bezüge zum Unterbewusstsein des Menschen aufzeigt. Die Traumthematik durchzieht alle ihre Werke. Die Bilder selbst können als Portale zu Os Gêmeos Traumwelt verstanden werden. Darin tauchen bunt gekleidete Figuren mit großen, ovalen Gesichtern in gelblichen Tönen auf. Auch bei der Farbauswahl lassen sich die Zwillinge von ihren Träumen leiten. Sie mischen die Farben nicht. Sie malen einfach drauf los, ohne sich davor Skizzen zu machen und ohne einen festen Plan. Die Protagonisten tauchen in den Werken oft willkürlich angeordnet in einer surrealistischen Architektur auf.

In ihren Kunstwerken appellieren die Künstler an die Phantasie des Betrachters: Nur so wird ein Zugang zu den Bildern ermöglicht. 

Rhina von Os Gemeos (Pandolfo-Brüder) MUCA in München

Os Gêmeos in der „25“- Ausstellung in München

Die beiden Künstler sind außerdem für ihre installativen und interaktiven Ausstellungen bekannt. So platzieren Sie beispielsweise Musikinstrumente in der Mitte eines Ausstellungsraums und laden die Besucher*innen dazu ein, auf ihnen zu spielen. Auch stehen einige ihrer Skulpturen offen und frei fürs Publikum begehbar. 

Schauen Sie sich in unserer aktuellen MUCA-Ausstellung in München die Säulen-Menschen und das Werk „Subway“ der Pandolfo Brüdern an.

Tickets gibt es direkt hier.

Wie wurde Os Gêmeos international bekannt?

Von 2000 an bekamen die Brüder zusammen mit anderen Graffiti-Künstlern öffentliche Aufträge, zunächst in ihrer Heimat Brasilien.

2003 hatten Os Gêmeos dann in San Francisco in der Luggage Store Gallery ihre erste Einzelausstellung. Hier verewigten sie sich mit einem großflächigen Mural auf dem Gebäude. 2008 zierten insgesamt sechs Wandbilder der Brüder für drei Monate die Tate Modern in London. 

Was möchten die Os Gêmeos-Brüder mit ihrer Kunst vermitteln?

Die Kunst der Pandolfo Brüder kennt keine Grenzen und erreichte sogar den Himmel: Im Jahr 2014 gestalteten sie das Privatflugzeug der brasilianischen Nationalmannschaft, mit dem diese an der Weltmeisterschaft teilnahm. 

2015 entstand in Zusammenarbeit mit den befreundeten französischem Künstler JR in São Paulo ein Wandbild, das die Wasserknappheit in Brasilien thematisiert. Es zeigt ein gelbgesichtige Figur im typischen Os Gêmeos-Stil mit brasilianischem Trikot, das in einer leeren Flasche steht und sich verzweifelt nach einzelnen Wassertropfen reckt, die aus einem Baum herunterfallen.

Für Os Gêmeos hat die Kunst immer eine Funktion und ein Ziel. Sie soll die Menschen emotional berühren und menschliche Imagination anregen. Sie soll zur (Selbst-)Reflexion bewegen und die Menschen dazu zu animieren, in sich hineinzuschauen und Dinge zu entdecken, die sie nicht unbedingt sehen möchten, aber sehen sollten. 

Outdoor-Projekt in Deutschland: We come at Night

Im Jahr 2006 wurde Os Gêmeos zusammen mit anderen Künstlern aus aller Welt nach Wuppertal eingeladen, um hier gemeinsam Projekte zur Eroberung des öffentlichen Raumes der Stadt zu entwickeln. Hieraus entstand eine Installation in einem Wuppertaler Park. Dieses Kunstwerk wurde allerdings innerhalb von vier Tagen entfernt, da sie ohne städtische Genehmigung errichtet worden war. Im Zuge dieser Reise nach Wuppertal schufen Os Gêmeos dann offiziell für die Deutsche Bahn das sehr besondere Werk „We come at night“ im stillgelegten Rott-Tunnel. Die Motive hierfür basieren auf Thematiken des Zweiten Weltkrieges. Um im Tunnel arbeiten zu können, nutzten Os Gêmeos spezielle Fackeln.

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Os Gêmeos in München: Ludwigsbrücke und Werksviertel

In 2005/2006 gestaltete Os Gêmeos Münchner Wände und Tunnel: Die Unterführung Ludwigsbrücke zierte ein Wandbild der Brüder, das in Zusammenarbeit mit Loomit, Nina Pandolfo und Shine entstand. Leider wurde das Werk in 2021 wegen Sanierungsarbeiten gänzlich zerstört.

Auf dem Gelände der ehemaligen Clubmeile Kunstpark Ost, dem neu entstanden Werksviertel Mitte hinter dem Ostbahnhof, finden sich seit 2006 Murals, die gemeinsam mit Nunca, Nina Pandolfo and Loomit realisiert wurden.

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